Andermatt UR Beinhaus St. Michael
Bearbeitung geplant
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In luftiger Höhe blicken uns sieben Tanzpaare an, sieben Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts und sieben Gerippe mit Totenschädeln in jeweils anderer Haltung. Die Personen könnten Menschen aus unserer Gegenwart sein, denen wir täglich auf den Strassen begegnen. Betrachten wir nun die Paare des Frieses von links nach rechts:
Die Figuren stehen ohne eigentlichen Hintergrund auf einer Schrägfläche. Als Vorlage diente der Totentanz von Rudolf Meyer, an den sich einzelne Szenen enger anlehnen: Bischof, Kurfürst, Edelmann, Wirt, Wucherer, Mönch.
Der Wiler Totentanz hielt sich in Szenen und Texten mehr oder weniger an den oberrheinischen Totentanz. Da Josef Regl nur die gut erhaltenen Szenen kopierte, sind nur Teile des Wiler Totentanzes überliefert. Neben Szenen des Totentanzes sind noch eine Darstellung der Legende von den dankbaren Toten, eine Darstellung des Jüngsten Gerichts und des Epitaphs für Pater Marcus Bumann erhalten.
J. R. Schellenberg, Freund Heins Erscheinungen in Holbeins Manier, Winterthur 1785.
Die sieben Totsünden. Die Ausstattung des Beinhauses überrascht durch ihr vielschichtiges ikonografisches Programm. Es befasst sich im Chorbereich mit Sterben, Gericht, Himmel und Hölle, neben der Eingangstüre mit dem Fegfeuer und an den Längswänden mit der gegenseitigen Hilfe der Lebenden und der Toten. Leiden und Tod sind die Folgen des Ungehorsams des Urelternpaares im Paradies, Fegfeuer- und Höllenqualen die Strafe für die persönlichen Sünden.
Farbige Figurengruppe mit Totentanzcharakter. Unterhalb der grossen Turmuhr erkennt man das kupferbeschlagene Schirmdächlein. Die Automatengruppe, bestehend aus Ritter, König und Tod, wird oben von einem blauen Sternenhimmel mit Mond und unten vom Solothurner Wappen mit Reichsadler und den Jahrzahlen 1545 (erbaut) und 1883 (renoviert) umschlossen.
Der kleine, kubische Bau (4x4 m) verfügt über ein geschwungenes Zeltdach und eine grosse, rundbogige Eingangsöffnung. Der Innenraum weist ein Kreuzgratgewölbe und nur noch fragmentarische erhaltene Grisaillemalereien auf. Sie zeigen Gerippe mit den üblichen Todesattributen: Pickel, Schaufel, Sense, Stundenglas und Pfeil. Ihre Wirbelsäulen und Rippen sind eher schematisch gestaltet, die mumifizierten Köpfe mit spärlichen Haaren und unterschiedlicher Gestaltung der Augenpartien drücken jedoch mehr Individualität aus.
Als Einleitung dienen: der Luzerner Standesschild mit zwei Wilden Männern als Schildhalter, der Kampf zwischen dem Totenschiff und dem Schiff der Lebenden, Matteo Visconti übergibt Alberto Scotti sein Zepter, der Tanz der Toten, der Sündenfall (verloren) und die Vertreibung aus dem Paradies.
Den Hinweis auf den Totentanz verdanken wir der Chronik von Pfarrer Johann Beat Ming (1719-1743). Sie berichtet, dass 1621 die Kirche und das Beinhaus erweitert und die Altäre beider Sakralbauten geweiht wurden.